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Ouranoupolis, Dafni, Kloster Iviron, Kloster Philotheou, Karies, Kloster Xiropotamou

 

Donnerstag, 22.05.2014

 

ouranoupoli

Sehr gute Infos zur Planung einer Athos-Reise findet man Hier.

 

Ich fahre von Nea Moudania aus mit dem Bus nach Thessaloniki und dann weiter nach Ouranoupolis.

Ouranoupolis ist die “Eintrittspforte“ zum Athos. Nur von hier aus kann die Mönchsrepublik Athos per Schiff erreicht werden. Die Stadt ist heute ein Touristenort mit vielen Hotels, Pensionen, Restaurants und Souvenierläden.

ouranoup. tower

Der Turm von Ouranoupolis ist byzantinischen Ursprungs. Er wird erstmals 1344 erwähnt,  ist aber vermutlich älter. Er gehörte früher zum Kloster Vatopedi. Heute ist in ihm ein Museum untergebracht.

ouranoup. zeus

Ich quartiere mich für 2 Nächte im  Hotel Zeus ein. Ich treffe vier Hamburger, die schon 10 mal auf dem Athos waren, nun auf dem Rückweg sind und mir viele Tipps geben.

Freitag, 23.05.2014

 

ouran. athos natura

Gegenüber dem Hotel gibt es einen “Natur und Bio Supermarkt”, der Werbung macht mit Bio- und Narturprodukten vom Mount Athos.
Auf Nachfrage gibt der Verkäufer zu, dass außer einem Teil der Kosmethik nichts öko-zertifiziert ist.

Samstag, 24.05.2014

 

diamonitirion

 Heute ist der Tag meiner Einreise zum heiligen Berg und ich hole mir morgens früh das “Diamonitirion”, die offizielle Erlaubnis, als männlicher Pilger 4 Tage mit 3 Übernachtungen in der Mönchsrepublik zu verbringen.
Kosten: 30,00 € (für 3 Tage Halbpension)

ouranoup. fähre1

Um 9:45 Uhr startet die Fähre von Ouranoupolis an der Küste entlang nach Dafni.

Vor dort aus geht es weiter mit einem schon wartenden Bus nach Karies, der “Hauptstadt” der Mönchsrepublik. Hier lerne ich eine Familie aus der mittleren Ukraine kennen. Die älteren Kinder leben  und arbeiten in Schweden und Holland. Gemeinsam fahren wir  mit dem Kleinbus weiter zum Kloster Iviron, in dem ich telefonisch eine Übernachtung gebucht habe.

iviron

Das Kloster Iviron liegt an der Nordseite des  Berges Athos  an der Mündung eines im Sommer ausgetrockneten Bergbaches direkt am Meer.

Das Kloster wurde 980 gegründet. Eine der Kirchen steht auf den Resten eines “heidnischen” Poseidon-Tempels.

iviron einzelzimmer

Ich bin heute hier der einzige nicht-orthodoxe (= ungläubige) Pilger und werde in einem der wenigen Einzelzimmer mit Balkon einquartiert.

 Früher wurden die Zimmer im Winter mit einem Kamin beheizt - entsprechend häufig sind die Klöster auch abgebrannt. Heute gibt es in allen Klöstern Zentralheizung. Elektrischen Strom gibt es natürlich auch. WC und Waschraum  sind auf der Etage und Duschen gibt es seltener und wenn dann meist nur mit kaltem Wasser.

iviron gärtnerei

Ein Blick vom Balkon auf die Gärtnerei.

iviron schreinerei

Jedes der 20 Klöster auf Athos (auch die im Landesinneren liegenden) hat einen Hafen (Arsanas) mit einem Bootshaus, in dessen unterem Stockwerk mit dem halbrunden  Tor die Boote geschützt untergebracht werden konnten. Die mit den Booten herangeschafften Waren wurden im hinteren und oberen Teil des Bootshauses gelagert.

Im Kloster Iviron wird das Bootshaus heute als Schreinerwerkstatt genutzt.

iviron hist. brücke

Ich erkunde die Gegend und finde diese alte dreibogige Brücke, die ehemals von den Pferden, Eseln und Maultieren, die früher für den Transport auf dem Athos zuständig waren, benutzt wurden. Heute fährt auch schon mal ein Geländeauto darüber.

iviron folientunnel

Ich entdecke 4 beheizbare Folientunnel, die profimäßig betrieben werden mit Innenschattierung und Kulturschutznetzen an der Belüftung, um Schadinsekten draußen zu halten. In jeder Reihe liegt ein Tropfschlauch, der mit Erde zugehäufelt ist. Eine Mulchfolie kommt nicht zum  Einsatz. Bei den Folientunneln ist zugekaufter Kompost mit Schaf-/Ziegendung gelagert.

Das Kloster hat wohl einige Bereiche des Gartenbaus “outgesourced” und an Griechen, die neben den Folientunneln wohnen, vergeben.

iviron reben

Mein Spaziergang führt mich weiter zu einem ausgedehnten Weinbergsgelände, in dem die Reben nach deutschem Standard kultiviert werden. Die Zeilen sind begrünt, ein (weltlicher) Arbeiter mulcht um die Stöcke, einer steckt ein. Eine Tröpfchenbewässerung versorgt die Reben mit der nötigen Feuchtigkeit.

Im Hintergrund erhebt sich der Mount Athos (2033 m).

iviron förderung

Auch auf dem Kloster Iviron wird noch fleißig mit EU-Unterstützung saniert und renoviert. 

iviron1

Um 18:00 Uhr geht es in die Kirche, das Katholikon. Als Nicht-orthodoxer werde ich gebeten, mich im hinteren Bereich der Kirche aufzuhalten. Ich darf auch die in einem Seitenflügel der Kirche hinter Glas ausgestellten Reliquien  besichtigen/verehren.

19:30 Uhr: Abendessen im Refektorium, dem Speisesaal. An einer langen Tischreihe sitzen die Mönche, an der anderen die Pilger (und auch ich). Es gibt warmes Gemüse mit grünen Bohnen, ein Stück Spinatpastete, Feta, Brot, Rotwein und Wasser.

Nach dem Abendessen geht es noch mal zur Kirche, diesmal in die Nebenkapelle  mit der wundertätigen Ikone der “Allerheiligen Gottesmutter Portaitissa”

Sonntag, 25.05.2014

 

philoth weg

Für die Mönche beginnt der Tag  um 3:30 Uhr mit dem Frühgottesdienst. Ich geselle mich um 5:00 Uhr dazu, mache dann aber um 6:00 Uhr noch mal Pause bis zum Frühstück um 8:30 Uhr. Die Mönche essen nur 2 mal am Tag, deshalb gibt es zum Frühstück Spagetti mit Thunfisch, Feta, Ei, Brot, Wein, Wasser und eine Apfelsine.

Gegen 9:15 Uhr ziehe ich zu Fuß weiter zum nächsten Kloster. Zuerst geht es ein Stück die geschotterte Uferstraße lang und dann auf einem alten Maultierpfad steil bergan Richtung Kloster Philotheou, das 533 m über dem Meeresspiegel liegt.

philotheou arsanas

Unterwegs genieße ich die herrlichen Ausblicke auf das Meer und die Natur um mich rum.

Hier ein Blick auf den Arsanas, den Hafen, des Klosters Philotheou mit angegliedertem Weinbau.

philoth engang

 Das Eingangstor zum Kloster Philotheou.

Auffällig ist, dass hier die Mönche den aktiven Kontakt zu den Besuchern suchen und neu ankommende Pilger an der Wasserstelle und auf Bänken unter dem großen Baum am Eingang erwarten. In anderen Klöstern bekommt man zu den Mönchen kaum Kontakt.

philoth baustelle

Hier übernachte ich - wieder als einziger Nicht-Orthodoxe - in einem 7er Zimmer. Dafür gibt es in der Toilette sogar eine (kalte) Dusche.

Die Gästeabteilung ist im Mittelbau untergebracht, rechts und links davon laufen Renovierungsarbeiten.

philoth renovierungsstau

Beim Rundgang um das Kloster wird deutlich, dass hier ein erheblicher “Sanierungsstau” herrscht.

 

philoth stahlbeton

Die Außenwände des Klosters werden mit Natursteinen verkleidet, innen wird mit Stahbeton gearbeitet - auch um die Erdbebensicherheit zu gewähren.

Gestern spürten wir auf Athos die Ausläufer eines stärkeren Erdbebens und auch nachts die Nachbeben. Das Epizentrum lag bei der Insel Samothraki und erreichte 6,9 auf der Richterskala.

philoth katholikon1

Das Kloster Philotheou ist leider sehr konservativ orthodox:

Ich darf als Katholik nicht an den Gottesdiensten teilnehmen und auch nicht gemeinsam mit den “Rechtgläubigen” im Refektorium essen, da ja während des Essens noch Bibeltexte vorgetragen werden. Ich muss alleine hinterher im Refektorium speisen, wenn die Orthodoxen noch mal in der Kirche beten.

 

philoth katholikon

Ich bin zunächst geschockt über die Ausgrenzung der Andersgläubigen. Ich hatte gedacht, das Morgenländische Schisma, d.h. die Trennung der röm. katholischen von der östl.  orthodoxen Kirche im Jahr 1054 n.Chr. durch den gegenseitigen Kirchenbann sei durch das 2. vatikanische Konzil im Jahre 1964 aufgelöst worden. (Real ist wohl nur der Kirchenbann aber nicht das Schisma aufgehoben.)
Ich überlege, abzureisen, habe aber keinen Handy-Empfang und kann deshalb kein weiteres Kloster für die nächste Nacht buchen.
Später lerne ich Pater Jelassios kennen, einen Berliner, der seit ich weiß nicht mehr wie vielen Jahren hier als Mönch lebt. Er erklärt mir, dass diese harte Regel gegenüber  andersgläubigen Christen vom Abt irgendwann aufgestellt wurde und nicht beeinflusst werden kann.

philoth gemüsebau

Der Gemüseanbau wurde z.T.  ausgelagert an Fremd-Arbeitskräfte. Es muss aber eine Fruchtfolge eingehalten werden. Es wird zugekaufter kompostierter Mist verwendet, und teilweise auch mineralischer Dünger eingesetzt (ob der den EU-Öko-Richtlinien entspricht konnte ich nicht herausfinden. Es wird aber auch keine Werbung mit EU-Bio gemacht. Auch die selbst hergestellten Produkte, die im Klosterladen verkauft werden, tragen keine EU-BIO-Kennzeichnung.)

philoth gemüsebau1

Ich esse zu Abend mit 2 orthodoxen Griechen, die später gekommen sind. Es gibt ein Reis-Gericht, grüne Bohnen, Feta, Brot, Wasser und Wein.

Abends besucht mich Pater Jelassios noch mal im 7er Schafraum und erzählt viel von sich. Im Gespräch wird deutlich, dass Orthodoxe im Alltag ein anderes Gottes- und auch Teufelsbild haben als die “Nichtgläubigen”: Z.B. wollte früher ein Freund des Paters in der WG mit dem Rauchen aufhören. Als er Probleme damit hatte und rückfällig wurde, war das das Werk des Teufels und nicht etwa mangelhaftes eigenes konsequentes Handeln.

Montag, 26.05.2014

 

karies

Es hat ja auch sein Gutes, nicht an den Gottesdiensten teilnehmen zu dürfen: Ausgeschlafen erscheine ich beim Frühstück. Heute ist Fasttag im Kloster, es gibt kein warmes Frühstück, es wird nicht gebetet und deshalb darf ich heute zusammen mit den anderen essen.

Ich fahre mit dem Bus nach Karies. Beim Betreten des Kleinbusses werde ich von allen Griechen freundlich begrüßt: “Kalimera Mister Merkel”.

Von Karies aus fahre ich zum Kloster Xiropatamou an der Westküste von Athos.

xiropotamou

Das Kloster Xiropotamou liegt auf etwa 200 m. Der Überlieferung nach wurde es 424 unter dem Namen Chimarros gegründet. Es wurde - wie die meisten Klöster auf Athos - des Öfteren zerstört und  wieder aufgebaut.

xiropotamou eingang

Der Gästebereich ist heute sehr modern eingerichtet. Ich bin alleine in einem Dreierzimmer  untergebracht.
Hier gibt es für die Gäste sogar drei Mahlzeiten am Tag. aber die Nicht-Orthodoxen müssen wieder in eigenen Räumlichkeiten getrennt von den anderen essen.
Die sehr schön ausgemalte Kirche  dürfen die Nicht-Orthodoxen nach dem Abendessen besichtigen.
Es gibt fast keinen Kontakt zu den Mönchen.

xiropotamou renoviert

Nach dem Mittagessen (warme Weinbergsblätter mit Reis, geschmorte rote Spitzpaprika,, Oliven, Brot, Tee und ein Apfel) mache ich meinen Rundgang ums Kloster.

Die Wege sind alle befestigt und fast schon zu viele sind betoniert.

xiropotamou renoviert1

Im Außenbereich des Klosters wird noch fleißig weiter gebaut.

xiropotamou gewächshaus

In den Gewächshäusern wird auch hier profimäßig gearbeitet.

xiropotamou gewächshaus1

 

xiropotamou gemüsebau

Zumindest ein Teil des Gemüsebaus wird von jungen Griechen gemacht.

Die ersten Kartoffeln sind schon geerntet.

xiropotamou uhr

Nachmittags kommen noch zwei und zwei Österreicher, die sich hier zufällig treffen. Sie sind gestandene Wanderer und ein Team hat heute so nebenbei auf seiner Tagestour den Mount Athos bestiegen.

Zum Abendessen gibt es Kichererbsensuppe, Paprika, Gurke, Tintenfisch, Brot, eine süße Nachspeise aus Honig mit Nüssen, einen Apfel und dazu Rotwein.

In den  Klöstern gilt übrigens die Byzantinische Zeit: Der Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang. Die Turmuhr geht bei meinem Besuch etwa dreieinhalb Stunden vor. Die Zeit wird wöchentlich neu festgelegt. Außerdem gilt der Julianische Kalender, der unserem Kalender zur Zeit 13 Tage voraus ist.

xiropotamou katholikon

Nach dem Essen werden wir von dem uns betreuenden Mönch durch die Kirche geführt. Die Wandmalereien vom Ende des 19. Jahrhunderts sind sehr beeindruckend. Leider darf man in der Kirche nicht fotografieren.

Die Tore der Klöster schließen bei  Sonnenuntergang. Den Smalltalk mit den Österreichern setzen wir anschließend in der Bibliothek fort.

Dienstag, 27.05.2014

 

xiropotamou

Heute ist schon der Abreisetag.

Nach dem Frühstück (Brot, Ei, Feta, Marmelade, Kaffee, Kirschsaft) gehen wir zu dritt über den alten Eselspfad nach Dafni . Dort treffe ich wieder auf die Ukrainer vom ersten Tag.

schnellfähre

Wir nehmen die Schnellfähre um 11:00 Uhr nach Ouranoupolis.

schnellfähre1

Ops, da sind mir doch Mönche, die man eigentlich nicht fotografieren soll, vor die Linse geraten.

ouranoup.bus

um 13:00 Uhr geht es weiter mit dem Bus nach Thessaloniki zum KTEL-Busbahnhof und von dort weiter nach Nea Moudania, wo ich gegen 17:00 Uhr bei meinem Boot ankomme.